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Niloofar Beyzaie (Theaterautorin und Regisseurin)

 

Geb. 1967 in Teheran / Iran. Sie stammt aus einer renommierten Theaterfamilie und ihr Vater Bahram Beyzaie ist einer der wichtigsten zeitgenoessischen Theater- und Filmregisseure Irans. Sie lebt seit 1985 im Exil in Frankfurt am Main.

Niloofar Beyzaie studierte Germanistik, Theater- Film und Fernsehwissenschaften und Paedagogik an der Goethe Universitaet Frankfurt (Studienabschluss „Magister Artium“ 1994). Sie gründete im selben Jahr die Theatergruppe „Daritsche“. Seit 1994  inszeniert und schreibt sie Theaterstücke sowie Artikel über das Theater.

Zentrale Themen ihrer Theaterarbeit sind „die Frau“, „das Fremdsein“ und „das Leid des Individuums in der Masse“. Sie beschaeftigt sich in ihrem Theater mit zeitgenoessischen Themen und setzt sich mit einem gesellschaftskritischen Blick mit dem Iran und den menschlichen Schicksalen auseinander. 

Ihre Theaterstücke wurden bisher mit mehr als 300 Aufführungen in ganz Europa, der USA und in Kanada aufgeführt und sorgen für viel Aufmerksamkeit innerhalb der iranischen Presse. Sie gehoert zu den aktivsten iranischen TheatermacherInnen im Exil und ihre Theaterstücke bekamen bis jetzt aufgrund ihrer hohen künstlerischen Qualitaet und ihren mutigen Umgang mit Tabuthemen der iranischen Gesellschaft viele positiven Kritiken. 

Neben ihrer Theaterarbeit schreibt sie auch Artikel über die politische und gesellschaftliche Situation und insbesondere der Situation der Frauen im Iran. Sie setzt sich für Frauen- und Menschenrechte im Iran ein und engagiert sich innerhalb der iranischen Kunstszene im Exil für die Rechte der iranischen Homosexuellen und religioesen Minderheiten, insbesondere der Bahais.

Nebenbei Übersetzungen und Forschungsarbeit.

In ihren Stücken führt sie selbst Regie, entwirft das Bühnenbild und macht das Lichtdesign.
Themen ihrer Arbeiten: Frauen, Exil, menschliche Charaktere und Fremdkoerper, Neubearbeitung anderer Stücke und literarischer Texte, Experimentieren.

2005 erhielt sie für ihre unermüdliche Theaterarbeit im Exil die Auszeichnung der in Budapest von einigen Iranern gegründeten Weltakademie für Kunst, Literatur und Medien in der Kategorie darstellende Künste als beste Regisseurin.

Im Februar 2018 bekam ihr Theaterstück „An diesem Ort und in dieser Zeit“ (Arbeitstitel: Frauengeschichte und mehr) im Rahmen des Iranisch-Deutschen Theaterfestivals in Heidelberg den Publikumspreis als bestes Theaterstück.

Im Maerz 2018 wurde sie in Vancouver/Kanada von der "Kulturgesellschaft iranischer Frauen" als Frau des Jahres für ihre langjaehrige Theaterarbeit und die Thematisierung von Frauen in ihren Stücken geehrt. Zu diesem Anlass wurden Ausschnitte ihrer Theaterstücke von einer in Vancouver ansaessigen Theatergruppe mit 15 SchauspielerInnen aufgeführt.

Im Maerz 2018 wurde sie auch von der in den USA ansaessigen iranischen Stiftung „Kulturelles Erbe“ zur Künstlerin des Jahres ernannt.

 

Inszenierungen (als Regisseurin)

 • Marjan, Mani und einige kleine Schwierigkeiten (in persischer Sprache,  1996-97) • Das letzte Spiel (in persischer Sprache, 1997-98) • Niemandsland (in persischer Sprache, 1998-99) • Ohne Namen (in persischer Sprache, 1998) • Ein Messer im Rücken (in persischer Sprache, 1999-2000) • Die blauen Traeume der grauen Frauen (in persischer Sprache, 2000-2001, Theater NAR) • Drei Meinungen über einen Tod (in persischer Sprache, 2001-2002) • Die blinde Eule (in persischer Sprache, 2004-2005) • Die blinde Eule (eine kurze Version auf Persisch und Deutsch in Zusammenarbeit mit Mainzer Kammerspiele und Tom Peifer, 2005) • Fremd wie Du und Ich (in deutscher Sprache, 2006-2007) • Die Stimme der Stille (in deutscher Sprache, 2007-2008, im Auftrag vom Theater NAR in Berlin) • Die blinde Eule (Wiederaufnahme und Aufführung in Toronto, 2008) • Niemandsland (Neuinszenierung in deutscher Sprache. Das Stück wird im Maerz 2009 im Staatstheater Karlsruhe und in Akademie Schloss Rotenfels in Gaggenau aufgeführt). • Eine Akte, zwei Morde (in persischer Sprache mit deutschen Übertiteln, 2009-2010) • Durch die Albtraeume oder wie die Revolution auch ihre Enkelkinder frass (eine szenische Lesung in deutscher Sprache im Rahmen des 50. Jahrestag von Amnesty International im Schauspielhaus Frankfurt, 2011)  • Von Angesicht zu Angesicht, an der Schwelle zur kalten Jahreszeit (in persischer Sprache mit deutschen Übertiteln, 2011-2012) • In Gegenwart des Windes (in persischer Sprache mit deutschen Übertiteln, 2015-2016)  •An diesem Ort und in dieser Zeit (Arbeitstitel: Frauengeschichten und mehr, in persischer Sprache mit deutschen Übertiteln, 2017-2018) • Die Verschollenen (in persischer Sprache, 2018)

 

 Theaterstücke (als Autorin)  

• Banu in der Spiegelstadt (1995-96) • Marjan, Mani und einige kleine Schwierigkeiten (1996-97) • Das letzte Spiel (1997-98) • Niemandsland (1998-99) • Die blauen Traeume der grauen Frauen ( 2000-2001, Theater NAR) • Die Toechter der Sonne (Arbeitstitel: Komm tanz mit mir,2005. Das Stück wurde im selben Jahr unter Regie von Peter Braschler in Zürich von Maralam Theatergruppe in deutscher Sprache aufgeführt • Die Stimme der Stille (2007-2008, Regie im Auftrag vom Theater NAR) • Eine Akte, zwei Morde (2009) • Durch die Albtraeume oder wie die Revolution auch ihre Enkelkinder frass (2011) • Von Angesicht zu Angesicht, an der Schwelle zur kalten Jahreszeit (20112012)

 

Theaterstücke (als Dramaturgin)  

• Ein Messer im Rücken (1999-2000) •Drei Meinungen über einen Tod (2001-2002) •Die blinde Eule (2004-2005) • Fremd wie Du und Ich (2006-2007) • An diesem Ort und in dieser Zeit (Arbeitstitel: Frauengeschichten und mehr, 2017-2018) • Die Verschollenen (2018)

 

 

Hintergrundinformationen „Daritsche“ Theatergruppe

Die Theatergruppe „Daritsche“ wurde 1994 von der Theaterautorin und Regisseurin Niloofar Beyzaie in Frankfurt am Main gegründet. „Daritsche“ bedeutet Guckloch. Das Hauptanliegen der Gruppe ist es, auf die Unterdrückung und auf den Widerstand– insbesondere der Frauen in den vom politischen Islam regierten Laendern –aufmerksam zu machen. Politische Diktatur und freie Kunstentfaltung sind ein Widerspruch in sich selbst. Wer die Koepfe der Staatsbürger mit der eigenen Ideologie indoktriniert und gegen widerstaendiges Gedankengut immunisieren will, der treibt Künstler und Künstlerinnen ins Exil, verhindert avantgardistisches Theater, hemmt oder verbietet aber auch die Rezeption von Werken, deren Schoepfer nicht in das Konzept der jeweiligen Machthaber passt. Das Ensemble erforscht mit kritischem Blick die Hintergründe traditioneller, religionsgepraegter Sichtweisen und der daraus entstehenden diktatorischen Strukturen. Die Schicksale der in diesen Diktaturen und auch der im Exil lebenden Menschen– insbesondere der Frauen – thematisiert die Daritsche in ihren Theaterstücken. Die Kritik an Gesellschaft und Gewalt – verdeutlicht durch die menschlichen Schicksale – ist ein wichtiger Bestandteil der Theaterarbeit.

Das Aufzeigen der Sehnsüchte nach Freiheit, Demokratie und Individualismus ist dabei ein wichtiges Thema.  

In den dargestellten Situationen werden die oftmals harten Schicksale feinfühlig aufgezeigt und der Gesellschaft ein Spiegel vor Augen gehalten. Daritsche will Mut machen und gleichzeitig auffordern, die eigene Stimme zu erheben und Anteil an einer positiven Veraenderung zu nehmen. Weiterhin geht es Daritsche um die Begegnung zwischen Deutschen und Emigranten jenseits von allen Tabus, die das gegenseitige Kennenlernen ermoeglichen soll.

aesthetisch basieren die Produktionen der Gruppe auf einer Form Postdramatischen Theaters. Theaterstücke der Gruppe beinhalteten bisher von Dokumentarischen Stücken bis hin zu Collagen, stark mit bildlicher Darstellung arbeitenden, Musik, Videoinstallation und andere Medien einsetzenden Formen.

Wir verstehen das Theater mit seinen Symbolsystemen als einen wichtigen Kommunikation ermoeglichenden Ort, der Begegnungen zustande kommen laesst, die im Alltag unterbrochen, fehlgeleitet oder entfremdet sind.

Daritsche Theatergruppe arbeitet überwiegend mit iranischen professionellen Schauspielern und Schauspielerinnen mit verschiedenen Nationalitaeten, die im deutschsprachigem Raum aufgrund von Sprachbarrieren wenig Moeglichkeiten finden, ihr Koennen zu zeigen und sich weiterzuentwickeln. Mit der Einführung von Übertiteln ermoeglichen wir ZuschauerInnen aus allen Laendern und Nationalitaeten einen Zugang zu unseren Stücken.

Die Gruppe gehoert seit 25 Jahren mit über 20 Theaterstücken zu der freien Theaterszene Frankfurts und wird vom Kulturamt Frankfurt, dem Amt für multikulturellen Angelegenheiten sowie vom Hessisches Kulturministerium gefoerdert.

 


 







 

Rhein-Main.Net-Kritik

Kritik zum "Fremd wie Du und Ich" von Thomas Beckermann

Kritik zum "Die Stimme der Stille" von Prof. Hans-Wolfgang Nickel

Kritik zum "Die Stimme der Stille" von Frankfurter Rundschau

   

Maralam Theater Maralam Theater

Ein Abend mit fünf Stimmen zum Islam.Eine theatralische Annaeherung aus Ost und West Nicht Himmel Nicht Hoelle

 

Die Reformer haben ihre Chance verpasst Die Reformer haben ihre Chance verpasst

Balancieren an den Abgründen des Lebens AZ111104.pdf

Ausdruck staerker als Woerte MRZ091104.pdf

Mehr als eine dokumentarische Begleitung MRZ061104.pdf

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